"Kamusi" soll Sinnzusammenhänge hinter Wörtern erfassen

New York (pte003/28.02.2013/06:10) - Die korrekte automatische Übersetzung beliebiger Texte von einer Sprache in eine andere stellt für die Forschung im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) eine enorme Herausforderung dar. Einen besonders spannenden neuen Ansatz in diesem Zusammenhang vertritt das mehrsprachige Online-Wörterbuch "Kamusi" http://kamusi.org , das kürzlich in die offene Beta-Phase gestartet ist: Die Online-Plattform greift nicht nur einzelne zu übersetzende Wörter auf, sondern auch deren dahinterliegendes Gedankenkonzept. Ein ausgeklügeltes System aus Algorithmen und menschlichen Experten soll dabei dafür sorgen, dass etwa auch Redewendungen und Sprichwörter richtig übersetzt werden.

"Kamusi ist eine völlig neue Art von Online-Wörterbuch", verkündet Martin Benjamin, Anthropologe und Mastermind hinter dem Projekt, auf der entsprechenden Webseite. "Wir bieten einen innovativen Ansatz, wie Menschen mit den verschiedensten Sprachen auf der ganzen Welt miteinander interagieren können", heißt es weiter. Hauptziel des ambitionierten Unterfangens sei die Überwindung von Sprachbarrieren mittels technologischer KI-Unterstützung und der Kooperation freiwilliger "Native Speakers". "Ziel ist es, jedes Wort in jeder Sprache kostenlos für jedermann zu jeder Zeit zur Verfügung zu stellen", so Benjamin.

Mehr als Algorithmen

Um diese Vorgabe erreichen zu können, muss Kamusi aber zunächst eine der größten Herausforderungen im Bereich der automatisierten Übersetzungsservices lösen: die korrekte Übersetzung ganzer Phrasen und komplexer Redewendungen. Im Gegensatz zu bestehenden Angeboten wie Google Translate, die beim Transfer von einer Sprache in eine andere ausschließlich auf Algorithmen setzen, analysiert die alternative Variante hierfür zusätzlich auch den grundlegenden Sinnzusammenhang hinter den Wörtern.

Wie das genau funktionierten soll, wird anhand eines konkreten Beispiels erläutert. So soll die englische Redewendung "spring in her step" - zu Deutsch sinngemäß in etwa "beschwingten Schrittes" - ins Französische übersetzt werden. Während Google Translate sich hier auf das Wort "Spring" für "Frühling" versteift und keine brauchbare Übersetzung zustande bringt, schlägt Kamusi dem User gleich mehrere Sinnzusammenhänge vor, die auf verschiedenen Grundkonzepten beruhen. Der Nutzer hat dann die Wahl, welche der präsentierten Lösungen am ehesten dem Sinn einer korrekten Übersetzung entspricht.

100 Wörter in 15 Sprachen

Natürlich ist auch das Kamusi-Projekt noch lange nicht am Ziel angekommen. "Um die Leistungsfähigkeit unseres Services unter Beweis zu stellen, haben wir ein Demonstrations-Set von insgesamt 100 Wörtern inklusive den dazugehörigen verschiedenen Konzepten freigeschaltet", betont Benjamin. Diese sind in 15 unterschiedlichen Sprachen - darunter etwa Englisch, Japanisch oder Swahili - abrufbar. Für den weiteren Ausbau sei das Projekt aber sowohl auf finanzielle Unterstützung als auch auf die Mithilfe freiwilliger Dolmetscher angewiesen, so der Initiator.